Triple A - Das Kunstbuch
Deutsch/Englisch
Vorwort Erich Sauer, Bildhauer
Text Dr. Ruth Negendanck,
112 Seiten, Größe 30 x 25 cm,
72 Abb. in Farbe, 1 Abb. in schwarz/weiss,
Hardcover Fadenbindung, ISBN 3-00-049051-4
Preis 28,00 €, zzgl. Versandkosten
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Das Buch wurde auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.
Beschreibung
Triple A ist die künstlerische Umsetzung der Malerin Veronika Strelau-Rückel und des Bildhauers Klaus-Jürgen Rückel eines stets aktuellen Themas. Beide haben diesen Themenkomplex, trotz und gerade wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitsmaterialien und Methoden, gewählt und kreativ bearbeitet.
Der Begriff ‚Triple A’, der aus dem Bereich des Bankenwesens stammt und in der internationalen Finanzkrise eine herausragende Bedeutung erlangte, wird von ihnen in der Vielschichtigkeit seiner gesellschaftlichen Auswirkungen interpretiert und sichtbar gemacht.
Die Bilder und Objekte des Künstlerpaares offenbaren eine gemeinsame Formensprache, voll von greifbaren, jedoch abstrahierten Motiven und Positionen zur gesellschaftlichen Realität.
Triple A spielt mit den Gegensätzen:
hart - weich, bunt - unbunt, konstruiert - informell und scharfkantig - durchsichtig.
Zwei unterschiedliche Positionen und Herangehensweisen, die sich gegenüber stehen und trotzdem sowohl inhaltlich als auch künstlerisch ergänzen.
Das Buch wendet sich an Alle, die an Kunst und gesellschaftlichen Prozessen interessiert sind.
Leseprobe
Die Malerin Veronika Strelau-Rückel (Auszug)
Veronika Strelau-Rückel bearbeitet die brennenden Fragen der gesellschaftlichen Umbrüche, die sie im menschlichen Miteinander erlebt, zu informellen Kompositionen. Dabei bildet der sozialkritische Ansatz eine wesentliche Komponente in ihren Kunstwerken. Es ist der Künstlerin durchaus ein Anliegen, vom Betrachter verstanden zu werden. So haben ihre Werkgruppen, die sich über mehrere Bildreihen hinziehen können, einprägsame Titel. Indes auch ohne diese Hilfskonstruktionen begreift man die Botschaft, die über eine Vielfalt von Materialien dem Publikum nahe gebracht wird. ...
Mit der großen Werkgruppe „Ausgegrenzt“ greift die Künstlerin ihr spezielles Thema auf und gibt dem Betrachter eine Vorstellung von den vielfältigen Möglichkeiten des Ausgrenzens. Betroffen von dem Vorgang des Aussortierens und Ausrangierens können sowohl Einzelwesen wie ganze Gruppen sein, die sich als Familien, Volksgruppen oder Andersgläubige darstellen. Veronika Strelau-Rückel lässt in ihren Bildfolgen eine Zuweisung offen. ...
Das Malmittel Bienenwachs, das die Künstlerin hier wie auch bei der Werkgruppe „Ausgegrenzt“ verwendet hat, fand in der Antike eine große Verbreitung. Es wurde in Ägypten wie auch im griechischen und römischen Reich als Farbträger verwendet. Wachs verlieh den Bildern eine besondere Lebendigkeit und verschönte dank seines sanften Glanzes die Oberflächen. In den Bildern von Veronika Strelau-Rückel erblickt man ebenfalls den „schönen Schein“, allerdings kann er die dunkle Realität der Bilderzyklen nicht verdecken: Wer anders ist, wird leicht ausgegrenzt.
Eine erstaunliche Werkgruppe sind die Cochenillen-Bilder. Sie überraschen wegen ihrer delikaten Rottöne, mit denen gearbeitet wurde; zugleich werden hier wiederum zeitgemäße Themen künstlerisch angepackt. ...
Immer wieder begegnet man im Werk von Strelau-Rückel dem Phänomen der Vergänglichkeit, der Flüchtigkeit der Dinge und der Endlichkeit alles Bestehenden. ...
Die Künstlerin verwandelt durch sensible Prozesse die Unwägbarkeiten der Natur in Bilder von Schönheit und Anmut.
Veronika Strelau-Rückel versucht in ihrem Werk eine vorhandene Idee unter Anwendung unterschiedlichster bildnerischer Mittel auszudrücken. Dabei entstehen Bilder, die beunruhigen können, darüber hinaus aber auch eine poetische Ausstrahlung haben.
Der Bildhauer Klaus-Jürgen Rückel (Auszug)
Die Bronzeplastiken von Klaus-Jürgen Rückel stehen mit ihrer klaren Form eindringlich vor dem Betrachter. Nichts lenkt von den stummen Gestalten ab. Verzierungen sind vermieden. Einige Objekte besitzen eine reliefartig gestaltete Oberfläche, einige lassen sich bewegen. Scheiben mit scharfen Zähnen verführen zum Berühren und zur Aktion, vor anderen scheut man zurück. Ihre glatte, glänzende, hoch polierte Oberfläche verbietet jedes Betasten. Der Inhalt erschließt sich weitgehend durch die Anmutung.
Die Skulpturen von Klaus-Jürgen Rückel entstehen auf dem klassischen Weg über die Skizze zum Bozzetto, das noch Korrekturen erlaubt. Es folgt ...
Das Repertoire des Bildhauers ist vielseitig und ideenreich: Wendet sich Klaus-Jürgen Rückel der digitalisierten Welt zu, so entstehen beispielsweise Porträts mit einem vorderseitigen Gesicht und einem konstruktiv-digital gestalteten Hinterkopf mit eckigen Zügen [„Homo digitalis“, S...]. Ganz anders empfindet man die kleinen weiblichen Torsi, die mit hervorquellendem Volumen gearbeitet sind und sich scheinbar im Tanz drehen. Zum Lächeln verführt auch eine kleine Bronze [„Eingesogen“, S.], die mit Kopf und Brust in einen Kasten, dem Fernseher oder einem Computer hineinkriecht. Das sind neue Ideen, mit denen unsere heutige Welt ironisch betrachten wird. ...
Am eindrucksvollsten sind schließlich die großformatigen Bronzefiguren des Künstlers, zu denen die Werkgruppe „ Mitläufer“ gehört. Hier nimmt der humanistisch gebildete Künstler eine Anleihe an der Antike. Die fast lebensgroßen Gestalten bestechen durch ihre Starrheit, mit der sie auf die Kuroi der frühen griechischen Kunst verweisen. ... Starrheit und Sturheit des in sich zerrissenen „Mitläufers“ prägen ihn. Ändern kann man ihn nicht, so wenig wie man die Einzelteile der Figur auswechseln kann. Das fehlgeleitete Verhalten des Menschen wird durch die Darstellung exemplarisch angegriffen. Ausbrechen könnte der „Mitläufer“ nur, wenn er Rilkes Metapher aus dem „Archaischen Torso Apollos“ ernst nähme: „Du musst Dein Leben ändern.“
Veronika Strelau-Rückel und Klaus-Jürgen Rückel haben es getan.
Dr. Ruth Negendanck
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